Hasucha
Andreas-Hasucha-Archiv

Hasucha

Der Abreke Hasucha (1905 – 1976)

Bereitgestellt von admin am Tuesday, 4 March 2014.  


Der Abreke Hasucha (1905 – 1976)

Der letzte Abreke Tschetscheniens, Hasucha Magomadov, wurde 1905 in dem kleinen Bergdorf Gatin-Kali im Gebiet von Schatoi geboren. Als der Vater starb, lag die Verantwortung der Familie auf dem 18-jährigen Hasucha. Hasucha war begabt und wurde vom Mullah unterrichtet, lernte arabisch und las den Koran. 1930 nahm der stalinsche Terror zu. Das NKWD machte Jagd auf alle Vertreter der Religion und alle Gebildeten. Hasuchas Lehrer und die, mit denen er gelernt hatte, wurden verhaftet. Die bekannten tschetschenischen Dichter und Schriftsteller S. Raduev, A. Dudaev, Ch. Aisachanov und M. Schadiev waren erschossen worden, Ch. Oschaev und A. Mamakaev lebten in der Verbannung. Im Sommer 1939 war bei einem Unfall ein Mann von der Hand Hasuchas getötet worden. Obwohl das Schariat die Unschuld Hasuchas feststellte und die Familie des Getöteten ihm verzieh, nutzte das NKWD den Anlass und verurteilte ihn zu Gefängnishaft. Die Erniedrigungen der Haft waren unerträglich für Hasucha. Er fragte den Aufseher: „Ist es möglich zu fliehen?“ – der Aufseher antwortete: „Das ist nur einem bisher gelungen, dem Abreken Selimkhan.“ –„Dann werde ich der Zweite sein!“ Hasucha entfloh und schwor, lieber zu sterben, als sich noch einmal fassen zu lassen. Hasucha ging in die Berge zu den Juristen Khasan Israilov und Meirbek Scheripov, die einen Aufstand organisierten. Doch der Aufstand wurde niedergeschlagen, Israilov und Scheripov getötet. Hasucha stellte den Soldaten der Geheimpolizei eine Falle und tötete mehr als 20 von ihnen. Hasucha war Zeuge der Deportation 1944. Er ging durch die menschenleeren Dörfer und war der erste, der Chaibach sah, wo mehr als 700 Einwohner in einem Pferdestall verbrannt worden waren. Hasucha, erfüllt von Trauer und Wut, begann sich zu rächen. Er tötetedie kommunistischen Kreisvorsitzenden, die Offiziere und alle, die ihm nachstellten. Einmal übernachtete er bei einem Bauern, der ihm seine Kleider und Waffen stahl. Als Hasucha erwachte, war es zu spät. Das Haus war umstellt, angeführt von dem verhassten Oberstleutnant Salko. Hasucha fand ein Messer und wartete. Eine brennende Papacha flog durch Fenster, ihr folgte der Oberstleutnant. Hasucha erstach ihn, zog blitzschnell den Uniformmantel an, setzte die Mütze mit den blauen Litzen auf. Ehe die Tschekisten den Irrtum erkannten, sprang Hasucha über den Zaun und stürzte sich den steilen Felsabhang hinab… Das KGB verbreitete die Lüge, Hasucha habe zwei seiner Kameraden erschossen und in eine Höhle geworfen – so stand es in der Zeitung. In Wahrheit war einer der Abreken 1944 seinen Verwandten in die Verbannung gefolgt und mit dem Auftrag zurückgekehrt, Hasucha zu töten. Doch Hasucha spürtdie Gefahr, kroch unbemerkt aus seiner Burka (Filzumhang) und wartete. Plötzlich stand der vermeintliche Freund auf und schoss je zwei Kugeln in Hasuchas Burka und in den Dritten. Als er seinen Irrtum bemerkte, war es zu spät. Hasucha schoss ihn zuerst in die Hand, und nachdem er zugegeben hatte, im Auftrag des KGB zu handeln, ins Herz. Am 28. März 1976 wurde Hasucha, 71 jährig und nach einem harten Winter müde des Wolfslebens, gefasst. Ein Mitarbeiter der Miliz leerte das Magazin seiner MPi auf ihn. Bis zum Abend des nächsten Tages wagte keiner, an Hasucha heranzutreten, so groß war die Angst vor dem toten Abreken, der nur noch 36 Kilogramm wog…


Erstellt Juni 2018 von Andreas Hasucha, Berlin